Psychische Gesundheit im Gesundheitswesen

«Wenn du vernünftig bist, erweise dich als Schale und nicht als Kanal, der fast gleichzeitig empfängt und weitergibt, während jene wartet, bis sie gefüllt ist… Auf diese Weise gibt sie das, was bei ihr überfliesst, ohne eigenen Schaden weiter…» Diese Worte von Bernhard von Clairvaux (1090-1153) klingen zu schön, um wahr zu sein. Trotzdem steckt darin eine tiefe Wahrheit, die uns wahrscheinlich ganz gut täte. Die Burnoutprophylaxe schlechthin. Erfahren Sie hier mehr über das komplexe Phänomen Burnout.

Die Themen im Überblick:

Psychische Gesundheit im Gesundheitswesen - erhalten durch Prävention

Psychische Gesundheit im Gesundheitswesen – erhalten durch Prävention

Wie entsteht Burnout?

Das Burnout- oder auch Erschöpfungssyndrom ist weit verbreitet und zeichnet sich durch eine ganze Reihe unspezifischer Symptome aus. Allen voran eine subjektiv empfundene körperliche, geistige und emotionale Erschöpfung.

Als Ursache steht nicht bewältigbarer Stress im Vordergrund.

Doch leider vollzieht sich dieser Prozess nicht immer offensichtlich, sondern beginnt schleichend und unbemerkt. Und das immer häufiger schon von jungen Jahren an!

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Der Begeisterung folgt Frustration

Was mit Begeisterung und viel Idealismus beginnt, kann einen mit der Zeit doch mehr fordern als vermutet. Erste Frustrationen tauchen auf, der Alltag geht nicht mehr so leicht von der Hand. Die anfängliche Motivation beginnt einer

  • gewissen Müdigkeit zu weichen,
  • es folgt eine erste Desillusionierung,
  • begleitet von einem allgemeinen Schwächegefühl,
  • der einen oder anderen psychosomatischen Erkrankung,
  • zunehmender Apathie oder
  • depressiver Verstimmung.

Und so nehmen vermehrte Kopf- oder Rückenschmerzen, zunehmende Infekte, Verdauungsbeschwerden, Depressionen etc. ihren Lauf. Nicht selten werden sie mit Medikamenten behandelt – und so in einem gewissen Mass weggewischt.

Besonders anfällig sind Menschen mit perfektionistischen, harmoniebedürftigen oder sich minderwertig fühlenden Charaktereigenschaften.

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Aus dem Sinn ist nicht aus dem Leben ...

In der Regel warten wir viel zu lange. Erste Symptome übergehen wir souverän. Zweite heroisch. Man muss – und will ja auch – funktionieren. Wir alle wissen sehr wohl, dass wir solche Hinweise ernst nehmen und darauf reagieren müssen.

Wenn jede/r das wollte, wo kämen wir da hin?

Wir können unsere KollegInnen oder PartnerInnen nicht einfach im Stich lassen! In unserer Leistungsgesellschaft liegt keine Schwäche drin.

Anhaltender Stress – ohne Handlungsmöglichkeiten oder Aussicht auf Verbesserung – führt in eine Abwärtsspirale, immer weiter nach unten, bis zur totalen Erschöpfung.

Auch im Gesundheitswesen kann Stress in die totale Erschöpfung führen

Auch im Gesundheitswesen kann Stress in die totale Erschöpfung führen

Wie begegnet man einem möglichen Burnout?

Theroretisch und folgerichtig: indem man die Ursachen, die dazu geführt haben, aushebelt.

Dazu gehören in aller Regel

  • Stressreduktion
  • Positive und möglichst nährende Beziehungen privat und am Arbeitsplatz. Menschen können sich gegenseitig aufbauen und nähren oder sich gegenseitig auslaugen und das Leben schwer machen.
  • Adäquate Selbstwirksamkeit
  • Gesunde Work-Life-Balance (wieder) herstellen
  • Gesunde und ausgewogene Ernährung
  • Genussmittel nicht als Kompensation nutzen (z. B. Koffein zum Hochfahren und Alkohol oder Süssigkeiten zum Runterfahren)
  • Regelmässig Bewegung, die effizienteste und natürlichste Methode, um Stress abzubauen, sogenannte Glückshormone zu bilden und das Immunsystem zu stärken
  • Sonnenlicht, Aufenthalt im Freien
  • Genügend qualitativ hochwertiger Schlaf

Hand aufs Herz: Wer kann sich einen solchen Lebensstil leisten?!

Die praktische Seite sieht meist eher so aus: dass man sich möglichst zusammennimmt und weitermacht.

Unter Zugabe von

  • halt doch noch etwas mehr Koffein,
  • sich das eine oder andere schönzureden: «Ein tägliches Glas Wein soll ja die Herzgesundheit stärken» oder «Dieses dritte Stück Kuchen habe ich mir redlich verdient»,
  • «Auch heute bleibt leider wieder keine Zeit für Bewegung»,
  • «Hoffentlich habe ich nicht bald eine Kündigung am Hals»,
  • «Ja, das kann ich schon noch übernehmen» («geht ja nicht anders ...»),
  • «Unsere Partnerschaft war auch schon besser!»,
  • «Ohne Schlaftablette geht es leider nicht mehr»,
  • «Am liebsten möchte ich einfach weg»
  • etc.

Irgendwann herrscht nur noch Leere: Rien ne va plus!

Anhaltender Stress führt zu Schlafmangel und einer unsäglichen inneren Leere

Innere Leere lässt sich irgendwann nicht mehr verdrängen

Treffpunkt Gesundheitswesen

Und so trifft man sich vielleicht im Gesundheitswesen. Als Burnout-Betroffene mit anderen Burnout-Betroffenen. Solchen als MitpatientInnen und solchen als ÄrztInnen oder Pflegepersonen.

Denn auch vor dem Gesundheitswesen macht das Phänomen Burnout nicht halt.

Zu gross sind der Zeit- und Spardruck, der Fachkräftemangel, die Überzeit. Auch unser Gesundheitssystem scheint müde, erschöpft und ausgelaugt – und das ist nicht erst seit gestern so. Wieviele ÄrztInnen gibt es wohl, die sich in Sachen Medikamentenkonsum selbst die besten KundInnen sind?

Blinde, die Blinde führen und Lahme, die Lahme stützen? Das kann es nicht sein!

Stressreduktion durch realistische Ziele

Ein kränkelndes Gesundheitssystem ist kein gesunder Ort für kranke Menschen. Hier braucht es, wie in jedem Fall von Burnoutsymptomen

  • Stressreduktion

    durch realistische Ziele

  • Positive Zusammenarbeit

    im Team sorgt für eine gute Stimmung, was die Motivation mühelos fördert.

  • Selbstwirksamkeit

    Dass Mitarbeitende ein Mitspracherecht haben und nicht alles «von oben» diktiert bekommen. Von Menschen, die noch nie an der Basis – heisst in der Praxis – gearbeitet haben.

  • Gesunde Work-Life-Balance

    So gut das in einem 24-Stunden-Betrieb möglich ist. Wertschätzung, auch in Form von guter Entlöhnung.

  • Sicherstellen von Pausen für Entspannung

    Essen und Trinken einschliesslich Toilettengang. Das klingt selbstverständlich, doch bei Personalknappheit sind diese Notwendigkeiten sehr gefährdet. Dann gilt notgedrungen: Wenn ich möglichst wenig trinke, muss ich möglichst selten aufs Klo … Süssigkeiten halten einen irgendwie über Wasser. Und natürlich Kaffee, das einstige «Schwesternbenzin».

  • Geringe Mitarbeiterfluktuation

    Je besser die oben genannten Punkte erfüllt sind, desto schwächer fällt die Mitarbeiterfluktuation aus. Dies wiederum stärkt die Teambildung und die Motivation, sich mit allen Stärken füreinander und für den Betrieb einzusetzen, sprich Selbstwirksamkeit.

Nur realisitische Ziele helfen Stress zu bewältigen

Nur realisitische Ziele helfen, Stress zu bewältigen

Fazit

Wir dürfen uns selbst, unsere Mitmenschen und unser Gesundheitssystem nicht überstrapazieren! Positiv ausgedrückt bedeutet das:

Es lohnt sich, gut auf uns selbst, unsere Mitmenschen und unser Gesundheitswesen zu achten. Unsere und die Grenzen anderer zu respektieren und zu wahren.

Um es nochmals mit den Worten von Bernhard von Clairvaux auszudrücken: «Wenn du vernünftig bist, erweise dich als Schale, die wartet, bis sie gefüllt ist… Auf diese Weise gibt sie das, was bei ihr überfliesst, ohne eigenen Schaden weiter. Unsere Gesundheit wird es uns mit Wohlbefinden danken. Reine Utopie?

© Christliche-Lebensberatung.ch, 9.12.2025

Autorin

Tabea Räber ist Mitglied des Autorenteams auf Christliche-Lebensberatung.ch und anderen Online-Plattformen. Sie hat jahrelang als Hebamme und in der Seniorenpflege gearbeitet.

Tabea Räber, Autorin

Mehr zum Thema Psychische Gesundheit im Web …

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  • Ausbildung-Tipps.ch: Psychologie zur Entlastung unseres Gesundheitswesens

    2023 sorgten verschiedene Umfragen zur psychischen Gesundheit in der Schweiz für Schlagzeilen. Im Allgemeinen fühlen sich 38 Prozent der Schweizer Bevölkerung mittel bis stark psychisch belastet. Dies berichtet die Schweizerische Stiftung Pro Mente Sana auf ihrer Webseite. Laut der Berner Fachhochschule wurde das mentale Wohlbefinden in den letzten 20 Jahren zu einem immer wichtigeren Thema in unserer Gesellschaft. Dies zeigt beispielsweise die steigende Nennung von Begriffen wie «psychische Gesundheit» oder «Mental Health» in den Medien oder zunehmende Google-Suchanfragen zu diesen Themen. Artikel auf Ausbildung-Tipps.ch lesen.

… und auf Christliche-Lebensberatung.ch

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