Bedeuten weniger Gottesdienstbesucher weniger konkret gelebtes Christsein? Oder stellt sich die Frage, ob sich Kirche neuen Bedürfnissen anpassen muss?
Beiträge zum Theme beten und Gebet
Und plötzlich sieht das Leben ganz anders aus. Unfälle, der unerwartete Verlust eines geliebten Menschen, unberechenbare Krankheiten oder Naturkatastrophen. «Es ist, als wenn die Welt schlagartig zusammenstürzt, der Boden unter den Füssen schwindet». So wird ein traumatisches Erleben oft beschrieben. Ein Trauma zu überwinden, kann ein langer Weg sein.
Stellen Sie sich vor, Ihre kleine Tochter, neun Jahre alt, kerngesund, quietschfidel sagt zu Ihnen «Ich bekomme keine Luft.», läuft blau an, kippt unvermittelt um. Herz- und Atemstillstand. Der Notarzt ist sofort da, ruft einen Rettungshelikopter, die Kleine kommt in eine Kinderklinik, liegt im Koma, wird an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen. Es gibt kaum Hoffnung, dass ihr Gehirn den Vorfall schadlos übersteht. Das sind so diese unfassbaren Momente, in der wir uns Fragen «Warum lässt Gott das zu? Gibt es überhaupt einen Gott und wenn ja, warum verhindert er Schicksalsschläge nicht?» Hinsehen kann schwer sein. Wir versuchen es trotzdem.
Auf der Suche nach einer glaubwürdigen Anleitung: Den christlichen Glauben entdecken ist das eine. Ihn konkret im Alltag leben glaubwürdig leben können, das andere. Woran können wir uns orientieren? Wie können wir unser Leben nach christlichen Werten gestalten? Was sind die Spannungsfelder und was die Lösungsansätze?
Dem Gebet mehr Beachtung geben
«Wie sollen wir beten?» Diese Frage ist uralt und doch brandaktuell. Schon die Freunde von Jesus fragten ihren Meister, wie sie zu Gott beten sollen. Entgegen der selbstverliebten Zur-Schau-Stellung der eigenen Frömmigkeit einiger jüdischer Gelehrten jener Zeit, pochte Jesus mit Nachdruck darauf, dass es beim Beten nicht auf die äussere, sondern auf die innere Haltung ankäme. Gott schaut dem Menschen direkt ins Herz, er will und braucht keine Show, wenn wir beten.
Gebet ist Gespräch mit Gott
Gebet ist Ausdruck einer intimen, ehrlichen und echten Beziehung mit dem Schöpfer des Universums. Immer wieder weisen die biblischen Texte mit aller Deutlichkeit darauf hin, dass sich Gott als unser Vater versteht – als ein liebevoller, starker und treuer Vater. Entsprechend sollten wir beten: voller Vertrauen, Hingabe und kindlicher Liebe. Wird Gebet zu einem zwanghaften Ritual, entleert es sich seines ursprünglichen Sinnes – die Beziehung steht nicht mehr im Zentrum, Gebet wird tot.
Nachdenken
Rituale unterstützen die Beständigkeit
Das Gebet zu einem Ritual zu machen, ist aber dennoch nicht falsch – sofern die innere Haltung dabei stimmt. Ein Ritual kann eine Hilfestellung sein, das die Beständigkeit unterstützt. Ein Beispiel: Es gibt Ehepaare, die sich einen Abend pro Woche fix reservieren, den sie nur zu zweit verbringen und etwas unternehmen, was ihrer Beziehung guttut. So gesehen ist das Ritual beziehungsfördernd.
